„Crowdsourcing“ ist einer der bedeutendsten Trends im World Wide Web. Doch was bedeutet dieser Begriff und woher kommt er? Jeff Howe gilt seit der Veröffentlichung seines Wired-Artikels ‚The Rise of Crowdsourcing’ im Juni 2006 als Begründer des Begriffs.  Sein Neologismus setzt sich aus den beiden englischen Worten „crowd“ (Menschenmenge) und „sourcing“ (Beschaffung von Mitteln) zusammen.  Vereinfacht gesagt beschreibt Crowdsourcing den Prozess der Auslagerung interner Teilaufgaben an die Massen der Internetnutzer, quasi das Outsourcing an eine anonyme Masse.

Wie viel Macht und Einfluss eine Crowd haben kann lässt sich in vielen Bereichen der Sozialwissenschaft, der Politik und der Wirtschaft beobachten. In der Geschichte haben zum Beispiel die Französische Revolution und der Fall der Berliner Mauer eindrucksvoll bewiesen, wie sich der Wille der breiten Bevölkerung letztendlich durchgesetzt hat. Mit Hilfe von vielen Individuen ist es möglich, Interessen zu verfolgen, Aufgaben zu lösen und Veränderungen herbeizuführen. Gerade durch die technologische Vernetzung der Massen durch das Internet und verschiedene Social Software hat das Potential, das in der Masse steckt enorme neue Anschlussmöglichkeiten bekommen.

Fischschwarm

Zusammen ist man stärker als alleine

In diesem Zusammenhang spielt auch „Collective Knowledge“ durch die Gruppen- bzw. Schwarmintelligenz eine wichtige Rolle. Dieses Phänomen zeigt, dass bei einer Bündelung von Wissen vieler einzelner Personen die Gruppe die gleiche oder sogar eine höhere Kompetenz aufweißt wie ein Experte auf dem betreffenden Gebiet. Die kollektive Intelligenz erlaubt eine viel umfassendere und vielschichtigere Behandlung von Aufgaben und erzielt dadurch bessere Ergebnisse. Das bekannteste Beispiel dafür ist Wikipedia, eine Enzyklopädie, bei der jeder Mensch auf der Welt die Artikel nicht nur lesen sondern auch bearbeiten darf oder sein Wissen durch neue Artikel einbringen kann.

Die Masse als Schlüssel zum Erfolg

Immer mehr Unternehmen nutzen das System des Crowdsourcing und damit das Wissen und die Ideen der Menschen auf der ganzen Welt. Arbeits- und Kreativprozesse, die nicht zum Kerngeschäft des Unternehmens gehören, werden an Außenstehende ausgelagert. Beim Social Forecasting, einer betriebswirtschaftlichen Methode, nutzt man das Prinzip der Schwarmintelligenz um Aussagen über den Ausgang zukünftiger Ereignisse zu treffen. Primär Mitarbeiter dürfen ihre Prognosen zu zukünftigen Produkten oder zur Marktentwicklung abgeben, die in der Masse oft viel genauer sind als die der Experten.Typische Anwendungsbeispiele für Crowdsourcing im Unternehmen sind Produktlaunches, Markenaufbau, Kundenpflege, Marktforschung, Fansteigerung oder die Suche nach Innovationen. Letzteres nennt man auch Open Innovation – Unternehmen wollen ihr eigenes Innovationspotential steigern, indem sie Ideen und Vorschläge von Externen kreativ für sich selbst nutzen. Oft trifft man auf das Beispiel von Sennheiser, die 2008 ein Soundlogo für Ihre Marke suchten. Aus 57 Ländern kamen die Einsendungen für den Sennheiser Sound Logo Contest. Insgesamt 2.016 Sound-Ideen haben über 600 Teilnehmer auf die Sennheiser-Webseite geladen. Weltweit komponierten und mischten Profis sowie Hobbymusiker, um den passenden Klang für den Audiospezialisten zu finden.(http://www.se-soundlogo.com/)

Doch was motiviert die Crowd?

Um die Kompetenz der Masse nutzen zu können muss man ihre Motivation kennen. Für die meisten sind Preisgelder, Vergünstigungen oder andere „Belohnungen“ nur ein netter Nebeneffekt. Vielmehr geht es um Anerkennung und das gewonnene Gemeinschaftsgefühl innerhalb der Crowd und das Gefühl, etwas zu einem gemeinsamen Ziel beigetragen zu haben. Besonders hohe Motivation haben oft die Mitentwickler von Open Source Software, für die es keinerlei Nutzungsbeschränkungen oder Lizenzgebühren gibt.  Ein gutes Beispiel dafür ist der Firefox Browser.  Mozilla ist ein Non-Profit Unternehmen, mit der Mission die Macht des Internets in den Händen der Nutzer zu lassen. Jeder Internetbegeisterte hat die Möglichkeit sich mit seinem Wissen und Können von Design bis hin zur Programmierung daran zu beteiligen.

Kennen Sie schon Crowdfunding?

Crowdfunding

Erfolgreiches Crowdfunding: Mit vielen kleinen Spenden lassen sich tolle Ideen verwirklichen
(http://www.pling.de/projekte/show/160)

Eine spezielle Form des Crowdsourcing, das Crowdfunding, zeigt welche neuen Türen Crowdsourcing öffnen kann. Oft haben kreative Köpfe eine tolle Geschäftsidee, aber ihnen fehlt das nötige Kleingeld um diese umzusetzen. Auf verschiedenen Plattformen haben sie die Möglichkeit, die Community dazu aufzurufen ihre Idee finanziell durch Spenden zu unterstützen. Wie man sieht sind nicht nur die Ideen der Masse gefragt sondern auch ihr Geld. Viele kleine Anleger und Spender können gemeinsam dabei helfen, z.B ein Filmdreh, Kulturveranstaltungen, die Produktion origineller Produkte oder sogar die Entwicklung neuer Technologien zu realisieren. Gerade durch das Internet wird es für die Masse immer leichter, Einfluss zu nehmen und Dinge zu bewegen und zu verändern. Vielleicht finden Sie ja auch etwas, bei dem Sie mitwirken können.

Verena Müller

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