„Unternehmenskommunikation oder Kommunikation im Unternehmen. Ausdruck, Faktor und Medium der modernen Arbeitswelten“ – Teil 3

Ganzheitlich: Die Bedeutungen in einer Organisation entstehen aus der Summe aller Einzeläußerungen

Ganzheitlich: Die Bedeutungen in einer Organisation entstehen aus der Summe aller Einzeläußerungen

Der zweite bestimmende Faktor der Unternehmenskommunikation ist, dass sie immer auf-grund der Gesamtheit aller getätigten Äußerungen verstanden wird. Das liegt daran, dass wir zum einen in einer Welt leben wollen und müssen, die in sich sinnvoll ist und in der unsere Entscheidungen und unser Handeln an eben diesem Sinn ausgerichtet werden können. Und zum zweiten daran, dass sich dieser Sinn möglichst schnell und mit wenig Aufwand einstellen soll. D.h. wenn wir vor einer neuen Wahrnehmung, einer Interpretationsaufgabe oder eben einem kommunikativen Akt stehen, versuchen wir diese so schnell und einfach wie möglich mit unseren bisherigen Erfahrungen, Wissen und Einstellungen – entstanden aus früheren Erlebnissen, Interpretationen und Kommunikation – in Einklang zu bringen. Deshalb entstehen die Bedeutungen in einer Organisation aus der Summe aller Einzeläußerungen.

Ganzheitliche Kommunikation entsteht immer durch den Zusammenhang aller Äußerungen.

Ganzheitliche Kommunikation entsteht immer durch den Zusammenhang aller Äußerungen.

Das bedeutet für eine einzelne E-Mail oder die einzelne Aussage des Chefs, dass sie immer im Zusammenhang mit dutzenden anderen Mails und Äußerungen gesehen werden. Unter den Aspekten, die ich bei meiner Interpretation des aktuellen Kommunikationsaktes einbeziehe, können durchaus eigene Vor- und Fehlurteile sein. Darum ist es oft sinnlos sich im Zweifelsfalle auf den Wortlaut einer Äußerung berufen zu wollen. Der Wortlaut wiegt wenig im Vergleich zur Kraft der Sinnkonstanz. Für die Unternehmenskommunikation kann das sehr angenehme aber auch fatale Folgen haben. Wenn mich eine lange, positive Geschichte mit einem Unternehmen verbindet, wenn ich also Fan bin, bin ich viel eher willens und in der Lage, neue Äußerungen im Sinne des Unternehmens zu interpretieren. Im umgekehrten Fall, wenn meine Beziehung zum Unternehmen frisch oder fragil ist, nutze ich vielmehr Aspekte, die gar nicht vom Unternehmen selbst beeinflusst werden können. Und wenn meine Meinung über das Unternehmen festgefahren aber negativ ist, ist es ein langer Weg dies nochmal zu ändern. Spannend dabei ist, dass echte Krisen gute Ansatzpunkte für Veränderungen sein können.

Natürlich ist es heute für die Unternehmenskommunikation viel schwieriger geworden, attraktive und breit akzeptierte Sinnangebote zu machen, trotz der medialen, technischen und organisatorischen Ressourcen, die wir heute im Unternehmen zur Verfügung haben. Inzwischen ist die Gesellschaft und mit ihr die Unternehmen viel, viel offener. D.h. mit dem Strom der Zeichen und Kommunikationsakte, dem wir alle ausgesetzt sind, steigt die Zahl alternativer Interpretationsmuster und Sinnwelten, denen ich mich anvertrauen kann. Die Welt der Sozialen ist sicher nicht der einzige treibende Faktor, aber an ihr werden die Effekte der Wahlfreiheit, der multioptionalen Sinne überaus erkennbar. Spätestens seit Xing, Facebook und Co. gibt es kein richtiges Innen und Außen mehr im Unternehmen und die klassische Trennung in interne und externe Kommunikation ist inhaltlich lange hinfällig. Was bedeutet der Like eines Mitarbeiters eines globalen Nahrungsmittelkonzerns beim neuen TV-Spot auf der Facebook-Fanpage dieses Konzerns? Ist der Like interne oder externe Kommunikation? Und was ist die Fanpage? Unternehmen werden zwar nicht gleich durchsichtig aber ihre Schemen und Schatten können wir problemlos wahrnehmen.

Ganzheitliche Kommunikation: Erst zuhören, dann selber reden.

Ganzheitliche Kommunikation: Erst zuhören, dann selber reden.

Um aber enger am Thema Wesen der Kommunikation und seiner Bedeutung zu bleiben, weniger die wachsende Sichtbarkeit des eigenen Unternehmens nach außen ist die Herausforderung, sondern die enorme Vergleichbarkeit. Zuerst die Vergleichbarkeit dessen, was an alten Mustern nach innen kommuniziert wird, mit dem, was nach draußen getragen wird. Brüche und Inkonsistenzen, die früher normal und unauffällig waren, werden in Zeiten des Social Media mehr und mehr unmöglich. D.h. das Prinzip der Sinnkonstanz führt zusammen mit der neuen Transparenz zu einem Ausgleich zwischen Innen und Außen. Spannender ist aber die wachsende Vergleichbarkeit mit anderen Unternehmen, mit deren Kommunikation und deren Sinnangeboten.

Unter ganzheitlich fällt nur noch der Hinweis, der auch in jedem guten Social-Media-Buch oder -Seminar eine ganz herausragende Stellung haben sollte: Erst zuhören, dann selber reden. D.h. als Unternehmen muss ich mich erst mal selbst öffnen und bereit sein, zu ergründen, wie meine Mitarbeiter und meine Kunden mich verstehen und ein anderes Verständnis als das Erwünschte oder Erwartete nicht ignorieren oder gar abqualifizieren. Vielmehr muss man versuchen in den Äußerungen, Meinungen und Interpretationen der anderen eine enorme Kraft zu erkennen, die man zu seinem eigenen Vorteil nutzen kann. Aber wie begegne ich jetzt als Unternehmen dieser scheinbar ungeheuren, komplexen Herausforderung, der ganzheitlichen Kommunikation in der offenen Mediengesellschaft? Dazu komme ich im dritten G, der Gestaltbarkeit.

Diesen sowie die ersten beiden Teile finden Sie hier auch als PDF.

 

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